CryptoQuant weist auf einen Anstieg von 1.200 % bei bot-gestützten Beiträgen auf der Plattform X hin, Algorithmen schaden versehentlich Krypto-Inhalten, Musk verspricht Offenlegung des Algorithmus zur Krisenbewältigung.
In der Krypto-Community ist die Social-Media-Plattform X (ehemals Twitter) seit langem das zentrale Forum für Markteinblicke, Projektupdates und On-Chain-Analysen. Doch dieses einstige Hort der Gemeinschaft steht vor einer beispiellosen Governance-Krise.
Die On-Chain-Datenanalysefirma CryptoQuant, gegründet von Ki Young Ju, hat kürzlich öffentlich Kritik an X geübt und beschuldigt die Plattform, bei der Bekämpfung automatisierter Spam-Informationen machtlos zu sein, stattdessen aber legale Krypto-bezogene Inhalte zu unterdrücken.
Bildquelle: X/@ki_young_ju CryptoQuant-Gründer Ki Young Ju kritisiert, dass X bei der Bekämpfung automatisierter Spam-Informationen machtlos ist und stattdessen legale Krypto-Inhalte unterdrückt
Laut den Daten des Radar-Tools von CryptoQuant stieg die Anzahl der automatisierten Beiträge mit Bezug zum Schlüsselwort „Crypto“ am 9. Januar 2026 erstaunlich an, mit über 7,7 Millionen Beiträgen an einem Tag, was eine Steigerung um über 1.200 % gegenüber früheren Niveaus darstellt.
Bildquelle: Ki Young Ju zeigt am 9. Januar 2026 einen sprunghaften Anstieg der automatisierten Beiträge mit Bezug zu „Crypto“, mit über 7,7 Millionen Beiträgen an einem Tag, eine Steigerung um mehr als 1.200 % gegenüber vorherigen Werten
Diese Welle von KI-generierten Spam-Informationen zwingt den Algorithmus von X dazu, das gesamte Hashtag „Kryptowährung“ als potenzielle Spamquelle zu betrachten, was zu groß angelegten Algorithmus-Downgrades führt und auch echte Nutzerkonten unbeabsichtigt trifft.
Ki Young Ju betont, dass mit dem Fortschritt der KI-Technologie die Existenz von Bot-Konten unvermeidlich ist. Das Kernproblem liegt darin, dass X keine effektive Unterscheidung zwischen automatisierten Konten und menschlichen Nutzern vornehmen kann.
Er kritisiert insbesondere das von Elon Musk eingeführte Bezahlsystem für Verifizierungen, das seiner Meinung nach seine ursprüngliche Funktion als Filter verloren hat und stattdessen als „Pass“ für Bots dient, die kostenpflichtig Belästigungen verbreiten. Unter dem aktuellen System können Bots mit blauer Verifizierung durch Bezahlung mehr Sichtbarkeit erlangen, während echte Nutzer feststellen, dass ihre Inhalte deutlich weniger Reichweite haben.
Viele Krypto-Accounts berichten, dass trotz der Veröffentlichung tiefgründiger, lehrreicher Beiträge oder technischer Diagramme die Reichweite oft auf 300 bis 800 Aufrufe beschränkt bleibt, was auf eine klare „Limitierung“ hindeutet. Ju hält dies für absurd und meint, dass X lieber einfache, grobe Maßnahmen wie das Sperren von Krypto-Inhalten ergreift, anstatt in die Verbesserung der Bot-Erkennung zu investieren.
Angesichts wachsender Unzufriedenheit in der Community gibt Nikita Bier, Produktverantwortlicher bei X, eine ganz andere Erklärung ab. Er meint, die Sichtbarkeitsverschlechterung des sogenannten „Crypto Twitter“ (CT) liege nicht nur an den Algorithmen, sondern auch an das selbstschädigende Verhalten der Nutzer.
Bildquelle: X/@DegenerateNews Der Produktverantwortliche von X, Nikita Bier, meint, die sinkende Sichtbarkeit von „Crypto Twitter“ sei vor allem auf das selbstschädigende Verhalten der Nutzer zurückzuführen
Er erklärt, dass viele Krypto-Accounts, um ihre Popularität zu erhalten, täglich große Mengen an minderwertigen Inhalten posten, etwa hunderte Male „GM“ (Guten Morgen) senden oder sinnlose Interaktionen tätigen. Solche Verhaltensweisen seien für Bier „Selbstmord“.
Da die durchschnittliche Anzahl der Beiträge, die ein Nutzer täglich scrollt, bei nur 20 bis 30 liegt, verbrauchen Accounts ihre begrenzte Sichtbarkeitsquote, indem sie „WAGMI“ oder „LFG“ spammen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Wenn sie dann wichtige Projekt-Updates posten, ist der Informationsfluss ihrer Follower bereits voll, und die echten Inhalte werden kaum noch gesehen.
Doch diese Argumentation hat nicht alle überzeugt. Viele erfahrene Nutzer widersprechen, dass das Team von X die Bedeutung der Krypto-Community als essenziellen Motor der Plattform ignoriert. Die voreilige Umsetzung des Updates gegen Spam ab Dezember 2025 macht die Plattform für die Krypto-Branche zunehmend unfreundlich.
Laut einem Bericht von Bloomberg kündigte Elon Musk, Eigentümer von X, am 10. Januar 2026 ein bedeutendes Projekt an: Innerhalb von 7 Tagen soll der Algorithmus öffentlich gemacht werden, um zu zeigen, wie Beiträge und Werbung gefiltert werden.
Musk verspricht, die Transparenz des Algorithmus alle 4 Wochen zu aktualisieren und detaillierte Entwickler-Dokumentationen bereitzustellen, um den Vorwürfen bezüglich Inhaltspräferenzen und Reichweitenbegrenzungen entgegenzuwirken.
Zudem plant X, die KI-Chatbot-Entwicklung von xAI namens Grok tief in die Plattform zu integrieren. Dieser soll täglich alle Beiträge bewerten, um durch präzisere KI-Identifikation minderwertiger Inhalte diese herauszufiltern und den Nutzern hochwertige, relevante Informationen zu empfehlen.
Obwohl Musk in der Vergangenheit mehrfach die Einhaltung von Transparenzversprechen nicht einhalten konnte, erscheint die aktuelle Selbstkorrektur angesichts der strengen regulatorischen Prüfungen durch Indonesien, Großbritannien und andere Länder dringlicher denn je. Für die Krypto-Community wird die kommende Woche, in der der Algorithmus offengelegt wird, entscheidend sein. Es geht um die Freiheit der Informationsverbreitung und darum, ob X weiterhin die führende Plattform für globale Krypto-Kommunikation bleibt.