Der Gründer des Hedgefonds Bridgewater, Ray Dalio, stellte in einer zehntausend-Wörter-Analyse, die er am 7. April auf der Plattform X veröffentlichte, fest bzw. warnte davor, dass sich die Öffentlichkeit nicht von kurzfristigen Schlagzeilen zur Lage im Nahen Osten täuschen lassen solle. Derzeit sei die Welt bereits offiziell in eine ähnliche „Frühphase“ des „Weltkriegs“ eingetreten wie im Jahr 1938. Er machte zwei bereits herausgebildete Lager aus und sagte offen, dass die USA sich in einer verwundbaren Phase der „imperialen Überdehnung“ befinden. Die letzten Gewinner eines Krieges seien häufig diejenigen, die „am längsten bereit sind, Schmerzen auszuhalten“.
(Vorgeschichte: Bridgewater-Dalio: Die Welt hat nur eine Art von Gold, globale Zentralbanken werden Bitcoin nicht als Nicht-Reserve-/Nicht-Fluchtwert wählen)
(Hintergrundergänzung: Bridgewater-Dalio warnt: Die Welt befindet sich am Rand eines Kapital-Kriegs! Gold bleibt das beste Absicherungsinstrument)
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Der Gründer des größten Hedgefonds für Absicherung, Bridgewater, der legendäre Investor Ray Dalio, hat angesichts der jüngsten Konflikte zwischen den USA, Israel und dem Iran eine makroökonomische und schwere strategische Einschätzung abgegeben. Dalio erklärte in einem am 7. April veröffentlichten Langtext: Die Öffentlichkeit konzentriere sich übermäßig auf „kurzfristige Nachrichten“ wie die Blockade der Straße von Hormus oder einen sprunghaften Anstieg der Ölpreise, doch die große historische Erzählung werde übersehen: Wir befinden uns in einer frühen Phase eines „Weltkriegs“, der nicht schnell zu Ende gehen wird.
Dalio nutzt das in seinem Buch „Principles for Dealing with the Changing World Order“ vorgeschlagene Framework des „Big Cycle“, um die Lage zu analysieren. Er führt aus, dass ein echter Weltkrieg nie plötzlich an einem klaren Datum ausbricht, sondern sich aus mehreren miteinander verbundenen Konflikten allmählich entwickelt und eskaliert. Derzeit ist die Welt bereits in Folgendes verstrickt:
Neben den oben genannten „Heißen Kriegen“ gehe dies auch mit heftigen Handelskriegen, Technologiekämpfen und Kapitalkriegen einher. Dalio schätzt, dass sich die globale Lage inzwischen bis zu seinem „9. Schritt“ im Big-Cycle-Modell entwickelt hat (Konflikte auf mehreren Schauplätzen laufen gleichzeitig, während es im Inneren zu einer Unterdrückung von Gegenstimmen kommt). Dies sei erstaunlich ähnlich mit der Übergangsphase, in der sich 1913-1914 (kurz vor dem Ersten Weltkrieg) oder 1938-1939 (kurz vor dem Zweiten Weltkrieg) von „Vorfeldkämpfen“ zu „den echten Kampfhandlungen“ verlagert hätten.
Dalio beobachtet, dass die Wahl der Seitenlage weltweit durch Verträge und Abstimmungen in den Vereinten Nationen deutlich sichtbar geworden ist. Auf der einen Seite stehe ein Lager, das von den USA, Europa, Israel, Japan und Australien angeführt werde. Auf der anderen Seite habe sich ein Bündnis aus China, Russland, Iran und Nordkorea gebildet.
Bei der Gegenüberstellung strategischer Ressourcen benennt Dalio eine harte Realität. Er sagt, dass die Allianz zwischen China, Russland und Iran China in der Energiefrage eine hohe Widerstandsfähigkeit verleihe (China habe 80-90% des Öls aus dem Iran gekauft und werde dabei durch Russland unterstützt sowie über große Vorräte verfügen); demgegenüber befänden sich die USA zwar als Energiewaren-Exporteur im Exportgeschäft, hielten aber im Ausland 750 bis 800 militärische Stützpunkte und hätten insgesamt eine ernsthafte Lage der „überdehnten“ (overextended) Kräfte, wodurch es äußerst schwierig sei, in mehreren Fronten gleichzeitig militärische Konflikte zu bewältigen.
Dalio schreibt: „Geschichte zeigt, dass der letzte Gewinner eines Krieges meistens nicht die stärkste Seite ist, sondern diejenige, die die Schmerzen am längsten ertragen kann.“
Er analysiert, dass die USA zwar über die stärkste militärische Kraft der Welt verfügen, im Inneren jedoch mit extremer politischer Polarisierung, hohen Haushaltsdefiziten und einer schwachen öffentlichen Unterstützung für den Krieg konfrontiert seien. Das mache die USA in langfristigen Abnutzungskriegen relativ verletzlich (z. B. aus den historischen Lehren des Vietnamkriegs und des Afghanistan-Kriegs). Im Vergleich dazu könnten Gegner wie China, Russland oder der Iran aufgrund ihrer politischen Systeme und der gesellschaftlichen Belastbarkeit möglicherweise einen höheren „Vorteil an Durchhaltevermögen“ haben.
Im Anhang des Artikels macht Dalio anhand seines Modells mit fünf großen Triebkräften (Schuldenwirtschaft, interne Ordnung, externe Ordnung, Techniksprünge, Naturkatastrophen) eine quantifizierte Prognose der Wahrscheinlichkeit für eine Eskalation großer Konflikte in den kommenden 5 Jahren:
Insgesamt ist Dalio der Ansicht, dass in den nächsten fünf Jahren die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens ein großer Konflikt eskaliert, bei über 50% liegt. Er betont am Ende des Artikels mit Nachdruck: Das sei keineswegs ein Bild, das er „sich wünscht“, sondern eine objektive Schlussfolgerung, die auf seinen 50 Jahren Anlageerfahrung und historischen Daten über 500 Jahre basiert. Die Welt entwickle sich von einer „vom Westen/den USA angeführten multilateralen regelbasierten Ordnung“ zurück zu der „Dschungelregel, in der das Recht der Stärkeren gilt (might-is-right)“. Er ruft Investoren und Entscheidungsträger dazu auf, aus kurzfristigen Schlagzeilen auszubrechen und mit einem stärker makro ausgerichteten Big-Cycle-Template auf die bevorstehenden Turbulenzen zu reagieren.